Gestaltungshinweis

Firmenfahrzeug

Zuordnung des gemischt genutzten Pkw zum Betriebsvermögen kann vorteilhaft sein

Immer wieder stellt sich in der Praxis die Frage, ob ein gemischt genutzter Pkw ertragsteuerrechtlich im gewillkürten Betriebsvermögen des Unternehmers geführt werden soll, wenn hierfür die Voraussetzungen erfüllt sind (siehe R 4.2 EStR und H 4.2 (1) EStH). Zahlreiche, zum Teil nur durch Schätzung ermittelbare Faktoren spielen hierbei im Rahmen einer Vorteilhaftigkeitsanalyse eine Rolle (siehe DStR 17, 695 ff.). Im Einzelfall muss genau gerechnet werden, ob sich eine entsprechende Zuordnung tatsächlich lohnt.

1. Vorüberlegungen

Ertragsteuerlich besteht ein Zuordnungswahlrecht nur dann, wenn der Unternehmer den Pkw zu mindestens 10 % (aber nicht mehr als 50 %) betrieblich nutzt (gewillkürtes Betriebsvermögen). Bei einer betrieblichen Nutzung von weniger als 10 % stellt der Pkw zwingend Privatvermögen dar, eine betriebliche Nutzung von über 50 % führt zu notwendigem Betriebsvermögen.

Praxistipp | Von der Betriebsvermögensart hängt entscheidend ab, wie ein eventueller Privatanteil der Fahrzeugkosten abzugrenzen ist. Denn die Ein-Prozent-Regelung findet nur bei Fahrzeugen Anwendung, die zu mehr als 50 % betrieblich genutzt werden. Dabei zählen Fahrten zwischen Wohnung und Betriebsstätte sowie Familienheimfahrten im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung zur betrieblichen Nutzung (BMF 18.11.09, IV C 6 - S 2177/07/10004, BStBl I 09, 1326, Rz. 1). Bei gewillkürtem Betriebsvermögen wird hingegen auf den Anteil der Privatfahrten an den Gesamtfahrten abgestellt. Die Ermittlung des Privatanteils anhand eines ordnungsgemäß geführten Fahrtenbuchs ist in beiden Fällen möglich.
Im Bereich der Umsatzsteuer hängt das Wahlrecht davon ab, ob der Pkw zu mindestens 10 % unternehmerisch genutzt wird. Denn dann hat der Unternehmer die Wahl, ob er den Pkw ganz oder teilweise dem Unternehmensvermögen zuordnet, um sich in entsprechender Höhe den Vorsteuerabzug zu sichern. Für eine Vollzuordnung kann also auch der Liquiditätsaspekt sprechen.

Beachten Sie | Die Wahlmöglichkeiten bei der Umsatzsteuer stehen dem Unternehmer unabhängig von der ertragsteuerlichen Zuordnung zum Betriebs- oder Privatvermögen zu.

2. Wichtigste Aspekte einer Vorteilsanalyse

Bei der Entscheidung, welche Zuordnung günstiger ist, ist im Wesentlichen auf folgende Kriterien abzustellen:
- jährliche Fahrleistung (und damit die Höhe der variablen Betriebskosten)
- Höhe des betrieblichen Nutzungsanteils
- Höhe der Anschaffungskosten (Abschreibungen)
- voraussichtliche Haltedauer
- Entfernung zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte und jährliche Zahl der Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte. 
  Zum Hintergrund: Für diese Fahrten ist stets nur die Entfernungspauschale als Betriebsausgabe abziehbar.

Beachten Sie | Dabei darf nicht übersehen werden, dass auch bei Führung des Pkw im ertragsteuerrechtlichen Privatvermögen die Berechnung der betrieblichen Nutzungsaufwandseinlagen wahlweise nach dem pauschalen km-Satz von 0,30 EUR (pro gefahrenem km) oder nach dem tatsächlichen, individuell ermittelten Kostensatz erfolgen kann. Weiter ist zu bedenken, dass bei einer Einlage des Pkw in das BV neues Abschreibungspotenzial geschaffen werden kann, andererseits aber der mögliche Gewinn aus einer späteren Veräußerung oder Entnahme dann steuerpflichtig ist.

Beispiel
Unternehmer A nutzt einen privat angeschafften Pkw bei einer jährlichen Gesamtfahrleistung von 20.000 km zu 40 % zu betrieblichen Zwecken (8.000 km). Die Gesamtkosten ohne AfA belaufen sich auf 3.000 EUR. Das Fahrzeug hat einen Teilwert von 4.500 EUR (alternativ: 10.000 EUR). Die Restnutzungsdauer beträgt drei Jahre. A könnte das Fahrzeug als gewillkürtes Betriebsvermögen behandeln und mit dem Teilwert einlegen. Dadurch würden sich im Ergebnis abziehbare Betriebsausgaben in folgender Höhe ergeben:

  Variante A Variante B
 Kosten ohne AfA: 3.000 EUR 3.000 EUR
 AfA (ND 3 Jahre): 1.500 EUR 3.333 EUR
 Gesamtkosten pro Jahr: 4.500 EUR 6.333 EUR
 Davon betrieblich veranlasst 40 % 1.800 EUR 2.533 EUR

Würde A das Fahrzeug dagegen nicht in sein Betriebsvermögen einlegen, könnte er die durch die betriebliche Nutzung veranlassten Kosten pauschal als Betriebsausgaben abziehen: 8.000 km × 0,30 EUR = 2.400 EUR; oder alternativ nach dem tatsächlichen km-Kostensatz bei der Variante B sogar 2.533 EUR. Diese stark vereinfachte Betrachtungsweise zeigt, dass sich schon ab einem Teilwert von 10.000 EUR eine Einlage ins Betriebsvermögen rechnen kann. Bei einer direkten Zuordnung zum Unternehmensvermögen schon beim Erwerb des Pkw lassen sich zudem noch Liquiditätsvorteile durch den Vorsteuerabzug heben.

3. Nachweis der betrieblichen Nutzung

Der Umfang der betrieblichen Nutzung ist entsprechend den üblichen Beweislastregeln vom Steuerpflichtigen darzulegen und glaubhaft zu machen.Hierzu muss nicht zwingend ein Fahrtenbuch geführt werden. Es bleibt dem Steuerpflichtigen überlassen, wie er den betrieblichen Nutzungsanteil nachweist oder glaubhaft macht. Dies kann z. B. durch Terminkalender oder durch Reisekostenaufstellungen erfolgen. Die Finanzverwaltung akzeptiert auch über einen repräsentativen Zeitraum von i. d. R. drei Monaten geführte Aufzeichnungen, aus denen sich die betrieblich veranlassten Fahrten sowie die zurückgelegten Kilometer ergeben.
Vorsicht Falle: In der Praxis kommt es immer wieder vor, dass in solchen Fällen kein Fahrtenbuch geführt wird und sich die betriebliche Nutzung unbemerkt erhöht. Bei einer späteren BP wird dann festgestellt, dass aufgrund der Gesamtfahrleistung eine betriebliche Nutzung von über 50 % vorgelegen haben muss. Aus gewillkürtem wird dann plötzlich notwendiges BV und für die Privatnutzung ist dann zwingend die Ein-Prozent-Regelung anzusetzen. Dies kann im Einzelfall zu einem bösen Erwachen führen, wenn der Listenpreis hoch und die Fahrzeugkosten gering sind.

Beachten Sie | Letztlich bleibt festzuhalten, dass sich die Vorteilhaftigkeitsanalyse komplex darstellt und eine Entscheidung für oder gegen die Führung des Pkw im gewillkürten Betriebsvermögen bzw. die Einlage aus dem Privatvermögen einer genauen Betrachtung bedarf. Wie so oft im Steuerrecht liegt man mit folgender Antwort auf die eingangs gestellte Frage sicher richtig: Es kommt darauf an!


IWW-Institut, Würzburg