Elektromobilität

Die Übereignung von betrieblichen (Elektro-) Fahrrädern: So wird dies lohnsteuerlich behandelt

| In der Praxis gibt es Fälle, in denen der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer ein betriebliches (Elektro-)Fahrrad übereignet. Nach Leasingende hat der Arbeitnehmer oft die Möglichkeit, das betriebliche (Elektro-)Fahrrad von einem Dritten, z. B. dem Leasinggeber, zu erwerben. Die lohnsteuerlichen Spielregeln sind unterschiedlich, und sie haben sich zum 1.1.2020 noch einmal geändert. Der Beitrag bringt Licht ins Dunkel. |

Übereignung von (Elektro-)Fahrrädern durch Arbeitgeber

Übereignet der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer unentgeltlich oder verbilligt ein betriebliches (Elektro-)Fahrrad, ist der Vorteil individuell beim Arbeitnehmer zu versteuern. Unter bestimmten Voraussetzungen kann der Arbeitgeber den Vorteil neuerdings auch pauschal mit 25 % versteuern.
Bisher: Individuelle Versteuerung bei Schenkung bzw. verbilligtem Verkauf

  • Schenkung: Schenkt der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer ein (Elektro-)Fahrrad, bemisst sich der geldwerte Vorteil nach § 8 Abs. 2 S. 1 EStG. Bei dieser Bewertung wird der „um übliche Preisnachlässe geminderte Endpreis am Abgabeort“ zugrunde gelegt. Das ist der günstigste Preis auf dem inländischen Markt.
  • Beispiel:
    Arbeitgeber A erwarb am 2.1.20 für seinen Fahrzeugpool ein als Kfz einzustufendes Pedelec. Dessen UVP beträgt 1.520 EUR. A erhielt beim Kauf einen handelsüblichen Rabatt von fünf Prozent und zahlt 1.444 EUR. Da das betriebliche Pedelec kaum genutzt wurde, schenkt A es am 1.5.20 einer Arbeitnehmerin.
    Ergebnis: Der geldwerte Vorteil ergibt sich aus dem um die üblichen Preisnachlässe geminderten üblichen Endpreis am Abgabeort, also hier 1.444 EUR. A muss diesen Betrag individuell in der Gehaltsabrechnung der Arbeitnehmerin versteuern.
  • Verbilligter Verkauf: Übereignet der Arbeitgeber einem Arbeitnehmer ein betriebliches (Elektro-)Fahrrad zu einem Preis unter dem Wert am freien Markt, ist der Differenzbetrag als geldwerter Vorteil anzusetzen.
  • Abwandlung
    Die Arbeitnehmerin zahlte A für das Pedelec 800 EUR. Der geldwerte Vorteil ergibt sich aus dem um die üblichen Preisnachlässe geminderten üblichen Endpreis am Abgabeort, hier 1.444 EUR abzüglich der Zuzahlung von 800 EUR. A muss die 644 EUR individuell in der Gehaltsabrechnung der Arbeitnehmerin versteuern.

Neue Rechtslage: Pauschalierungsmöglichkeit bei Übereignung

Zum 1.1.20 wurde erstmals eine Pauschalierungsmöglichkeit bei der Übereignung eines betrieblichen Fahrrads eingeführt (§ 40 Abs. 2 S. 1 Nr. 7 EStG): Der Arbeitgeber kann den geldwerten Vorteil mit 25 % pauschal versteuern, wenn er einem Arbeitnehmer

  • ein betriebliches Fahrrad,
  • das verkehrsrechtlich kein Kraftfahrzeug ist,
  • zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn
  • unentgeltlich oder verbilligt
  • übereignet.

Bemessungsgrundlage für die neue Pauschalversteuerung ist der § 8 Abs. 2 EStG, also der um übliche Preisnachlässe geminderte übliche Endpreis am Abgabeort, d. h. der Preis, den der Arbeitnehmer hätte selbst aufwenden müssen.

  • Beispiel
    Arbeitgeber B übereignet am 1.4.20 einer Arbeitnehmerin ein bislang betrieblich genutztes Fahrrad. Die UVP des Fahrrads beträgt 2.495 EUR. B erhält beim Kauf einen handelsüblichen Rabatt von fünf Prozent und zahlt 2.370 EUR. Die Arbeitnehmerin hat 1.000 EUR dazu gezahlt.
    Ergebnis: Bemessungsgrundlage der pauschalen Lohnsteuer ist der – um die üblichen Preisnachlässe geminderte – übliche Endpreis am Abgabeort, also hier 2.370 EUR; davon abzuziehen ist die Zuzahlung von 1.000 EUR. Den Betrag von 1.370 EUR kann B mit 25 % pauschal versteuern (§ 40 Abs. 2 S. 1 Nr. 7 EStG).

Wichtig | Die neue Pauschalversteuerung nach § 40 Abs. 2 S. 1 Nr. 7 EStG führt zugleich zu einer Beitragsfreiheit in der Sozialversicherung (§ 1 Abs. 1 Nr. 3 SvEV). Ist das Fahrrad ein Elektrofahrrad, das verkehrsrechtlich als Kraftfahrzeug einzuordnen ist (z. B. bei E-Bikes ab sechs km/h oder Pedelecs mit Motorunterstützung auch über 25 km/h), ist diese Pauschalbesteuerung nicht zulässig.

Übereignung nach Leasingende durch Dritten

In der Praxis ist noch ein anderes Überlassungsmodell üblich. Dies besteht darin, dass der Arbeitnehmer am Ende der Laufzeit des Leasingvertrags das von ihm genutzte (Elektro-)Fahrrad vergünstigt erwerben kann. Es gibt Anbieter, die das (Elektro-)Fahrrad zu einem Restwert von zehn Prozent des ursprünglichen Kaufpreises verkaufen.

Wichtig | Anbieter ist hier nicht der Arbeitgeber, sondern ein Dritter, d. h. der Leasinggeber, ein Dienstleister oder eine Verwertungsgesellschaft.

Arbeitslohn von dritter Seite: Marktpreis als Grundlage

Auch in dem Fall gilt: Ist der Angebotspreis geringer als der Marktpreis für ein solches (Elektro-)Fahrrad (§ 8 Abs. 2 S. 1 EStG), ist die Differenz als Arbeitslohn von dritter Seite zu versteuern (BMF 20.1.15, IV C 5 – S 2360/12/10002). Der geldwerte Vorteil ist grundsätzlich mittels Einzelbewertung zu ermitteln.

BMF mit Vereinfachung: Pauschale Wertermittlung nach drei Jahren

Das BMF lässt aber bei der Wertermittlung für gebrauchte (Elektro-)Fahrräder folgende Vereinfachung zu: Danach sind nach Ablauf von 36 Monaten 40 % der auf volle 100 EUR abgerundeten unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers, Importeurs oder Großhändlers im Zeitpunkt der Inbetriebnahme des (Elektro-)Fahrrads inkl. Umsatzsteuer anzusetzen.

  • Beispiel:
    Nach Ablauf von drei Jahren erwirbt ein Arbeitnehmer von der Leasinggesellschaft das ihm zuvor vom Arbeitgeber überlassene Elektrofahrrad für 600 EUR. Der UVP dieses Fahrrads betrug bei der Inbetriebnahme 6.000 EUR.
    Ergebnis: Der geldwerte Vorteil beträgt 1.800 EUR (= 40 % x 6.000 EUR = 2.400 EUR ./. Zahlung 600 EUR).

Wichtig | Die Finanzverwaltung akzeptiert einen niedrigeren pauschalen Ansatz des Restwerts von z. B. zehn Prozent des Kaufpreises steuerlich nicht.

Nachweis höherer Wertverlust

Ein niedrigerer Wert darf aber dann angesetzt werden, wenn sich ein solcher nachweisen lässt, z. B. über Anzeigen oder Internetangebote.

  • Abwandlung
    Der Arbeitnehmer bzw. der Arbeitgeber aus dem vorherigen Beispiel kann durch Vergleichsangebote belegen, dass der gemeine Wert eines solchen Elektro-Fahrrads nach drei Jahren nur rd. 1.900 EUR beträgt.
    Ergebnis: Der geldwerte Vorteil beträgt hier 1.300 EUR (1.900 EUR ./. 600 EUR Zuzahlung).

Versteuerungsmöglichkeiten für Dritten oder Arbeitgeber

Bei Vorteilen von dritter Seite darf der Arbeitgeber keine Pauschalversteuerung nach § 37b EStG durchführen; dieses kann nur der Zuwendende selbst (BMF 19.5.15, IV C 6 – S 2297-b/14/10001, Rz. 11).
Sprich: Nur der Dritte (Leasinggeber, Dienstleister oder Verwertungsgesellschaft), der den Vorteil gewährt, kann diesen mit 30 % pauschal versteuern (§ 37b Abs. 1 EStG).
In der Praxis dürfte ein Dritter aber eher kein Interesse daran haben, die Pauschalversteuerung zu übernehmen. Ist das der Fall, muss der Arbeitgeber den Vorteil als Arbeitslohn von dritter Seite individuell über die Gehaltsabrechnung versteuern. Der Arbeitgeber kann den Vorteil als Bruttolohn ansetzen oder eine Nettolohnversteuerung durchführen (R 39b Abs. 9 LStR).

Kauf und anschließende Übereignung mit Pauschalversteuerung

Um dennoch die vorteilhafte Pauschalversteuerung zu nutzen, ist folgendes Vorgehen denkbar: Der Arbeitgeber kauft nach Ende der Leasingzeit das gebrauchte (Elektro-)Fahrrad vom Dritten (Leasinggesellschaft, Dienstleister) und verkauft es verbilligt an seinen Arbeitnehmer weiter. Dann kann er den geldwerten Vorteil unter den Voraussetzungen des § 40 Abs. 2 S. 1 Nr. 7 EStG mit 25 % pauschal versteuern.
Zwar würden bei der Versteuerung grundsätzlich die Aufwendungen des Zuwendenden (hier des Arbeitgebers) die Bemessungsgrundlage bilden. Nach dem BMF-Schreiben zu § 37b EStG ist aber in solchen Fällen, in denen das Fahrrad zu „unverhältnismäßig niedrigen“ Kosten z. B. für nur zehn Prozent des ursprünglichen UVP, erworben wird, der gemeine Wert als Bemessungsgrundlage anzusetzen. Als gemeiner Wert nach drei Jahren wird ein Wert von 40 % des UVP (zum Zeitpunkt des Leasingbeginns) akzeptiert.

  • Beispiel
    Ein Arbeitgeber least ein (Elektro-)Fahrrad mit Neupreis von 3.500 EUR für 36 Monate und überlässt es einem Arbeitnehmer. Nach Ablauf dieser Zeit hat das Fahrrad noch einen Restwert (gemeiner Wert) von 1.200 EUR. Die Leasinggesellschaft verkauft dieses für 350 EUR an den Arbeitgeber, und dieser verkauft es für 200 EUR an den Arbeitnehmer. Der steuerpflichtige pauschalversteuerungsfähige Vorteil wird wie folgt berechnet:
Fiktiver gemeiner Wert1.400 EUR (3.500 EUR x 40 %)
./. Zahlung des Arbeitnehmers200 EUR
Verbleibender steuerpflichtiger Vorteil1.200 EUR
Pauschalsteuer des Arbeitgebers (25 %)300 EUR

IWW-Institut, Würzburg